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COPD-iNET

Premiere des internationalen COPD-iNET-Symposiums

Transfer, Environmental Health, LHI,

Ein globales Problem und die dringende Notwendigkeit, die Sub-Typten der Krankheit zu entschlüsseln, wurde bestätigt

 

Wir brauchen dringend mehr Austausch über unsere Erkenntnisse aus der COPD-Forschung und aus der klinischen Praxis. Genauso dringend müssen wir aber den Blick auf die Krankheit erweitern: COPD ist nicht nur eine Krankheit alter, männlicher Raucher! Umweltverschmutzung, frühe Infektionen wie auch der Lebensstil haben einen enormen Einfluss auf die komplexe Krankheit, die offenbar weit mehr als nur die Lunge betrifft.

Das war im Kern das Fazit des zweitägigen COPD-iNET Symposiums Ende Oktober in Hohenkammer bei München. Initiiert von einer Gruppe internationaler COPD-Forschenden um den Leiter des Instituts für Lungengesundheit und Immunität (LHI) bei Helmholtz Munich, Prof. Ali Önder Yildirim, war das Symposium eine spürbar notwendige Premiere.

„COPD ist ein globales Problem, das wir ansprechen müssen! “, begann Yildirim seine Begrüßung und wohl keiner der Teilnehmer:innen hätte widersprochen. Auch bei einer weiteren zentralen Herausforderung im Kampf gegen die unheilbare Krankheit waren sich die meisten Vortragenden einig: Noch immer sind Ursachen und Prozesse, wie und warum diese Krankheit entsteht und fortschreitet, nicht vollständig erforscht.

„Unser Blick auf COPD ist zu kategorisch, wir unterschätzen die Heterogenität dieser Krankheit wie auch die individuellen Risikofaktoren, die zum Teil schon bei Frühgeborenen sichtbar sind“, mahnte Prof. Klaus F. Rabe in seiner Keynote: “Precision Medicine in COPD: What’s missing?“

Ergänzend berichtete der ärztliche Direktor der LungenClinic Großhansdorf und Standortdirektor im Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) von einem spannenden Forschungsergebnis: Schon Frühgeborene mit schlechter Lungenfunktion haben ein Risiko, als Erwachsene COPD zu entwickeln. Früherkennung und Prävention vor allem hinsichtlich der Inhalation von Schadstoffen seien deswegen wichtige Faktoren.

Dass COPD mehr und mehr systemisch gesehen werden muss, im Zusammenhang z.B. mit kardiovaskulären Erkrankungen, Osteoporose oder auch Depressionen, fasste Rabe mit dem Satz zusammen: “Eine schlechte Lungenfunktion ist nicht gut für unser Leben! “ Viele Komorbiditäten kommen bei COPD-Patienten sehr häufig vor und manifestieren sich häufig schon vor dem Ausbruch der Lungenerkrankung.

Rosa Faner von der University of Barcelona verdeutlichte die Forderung nach einer breiteren Basis für die Forschung: „Die traditionelle Sicht, dass COPD eine durch Tabak verursachte Krankheit ist, wird durch neuere Forschungsergebnisse in Frage gestellt. Stattdessen könnte COPD als Endergebnis von Gen-Umwelt-Interaktionen verstanden werden, denen ein Individuum im Laufe seines Lebens begegnet.“

Maor Sauler von der Yale School of Medicine ergänzte: “COPD ist eine komplexe Krankheit, wir müssen die unterschiedlichen Phänotypen und Endotypen identifizieren und diese Erkenntnisse in personalisierte Therapien überführen.“

Auch Yohannes Tesfaigizi, Harvard Medical School Director, formulierte noch offene Fragen an die Gemeinschaft der Forschenden: „Welche Zelle löst die COPD-Entwicklung aus? Welche Genom-Abweichungen (SNPs) spielen dabei eine Rolle? Das müssen wir klären.“

Eine andere Sicht auf zukünftige Therapien kam von Sir Peter Barnes vom Imperial College London, dem zweiten Keynote-Speaker des Symposiums. Er erläuterte, wie sein Labor versucht, neuartige therapeutische Interventionen zu entwickeln: „Damit könnten COPD und die Begleiterkrankungen wie auch die Multimorbidität älterer Menschen behandelt werden - übrigens die teuerste Krankheit der Welt!“ Er betonte auch, dass Lebensstil-Entscheidungen wie Ernährung und Bewegung zusammen mit unterstützenden Anti-Aging-Strategien entscheidende präventive Maßnahmen zur Verringerung der COPD-Erkrankungen darstellen.

 

Nach Zwei Tagen intensiver Gespräche und exzellenten Vorträgen der internationalen Teilnehmer:innen, fasste die wissenschaftliche Koordinatorin des COPD-iNET-Konsortiums, Roxana Wasnick, die wichtigsten Punkte zusammen:

  • Die Gemeinschaft der COPD-Experten und ihr Austausch müssen erweitert werden, auch auf Teilnehmer:innen außerhalb Europas und der USA.
  • COPD muss systemischer und komplexer betrachtet und erforscht werden. Extrapulmonale Anzeichen der Krankheit und Risikopatient:innen müssen früher identifiziert werden.
  • Auch die Risiken für COPD sind vielfältiger: Rauchen bleibt Faktor Nr. 1, daneben müssen Luftverschmutzung, Klimawandel, Großbrände berücksichtig werden

Vor dem Symposium ist nach dem Symposium, darüber waren sich ebenfalls alle Teilnehmer einig. Dass COPD-iNET Konsortium geht nach dieser gelungenen Premiere in die Planung für das nächste Treffen in 2024.

 

Über COPD-iNET:

Der Hauptschwerpunkt des Netzwerks liegt auf dem Austausch über die translationale COPD-Forschung. Diskussionen über aktuelle Projekte, moderne menschliche In-vitro-/Ex-vivo-Modelle, systembiologische Ansätze und klinische Kohorten sollen Synergien identifizieren und die Entdeckung neuer COPD-Pathomechanismen erleichtern. COPD-iNET soll neue Kooperationen fördern und das Verständnis von COPD erweitern. Das Ziel: Neue Forschungsrichtungen und therapeutische Wege für den Kampf gegen die immer noch unheilbare Krankheit COPD.

Mitglieder des Organisationskomitees sind:

Prof. Dr. Ali Önder Yildirim, Dr. Thomas Conlon, Prof. Dr. Mareike Lehmann, Dr. Theodoros Kapellos, Dr. Roxana Wasnick – alle Institut für Lungengesundheit und Immunität (Helmholtz München) und DZL-Standort München (CPC-M)

Prof. Dr. Reinoud Gosens, University of Groningen

Francesca Polverino, MD, Baylor College of Medicine, Houston

Maor Sauler, MD, Yale School of Medicine, US

Enid Rose Neptune, MD, Johns Hopkins Medicine

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