Die Auszeichnung wurde am 23. September 2026 im Rahmen des Gill Symposium and Awards an der Indiana University in Bloomington, USA, verliehen. Das diesjährige Symposium unter dem Titel „Incretin Biology at the Center of Obesity and Related Disease Management“ bringt international führende Forschende zusammen, deren Arbeiten entscheidend zum Verständnis der biologischen und pharmakologischen Grundlagen moderner inkretinbasierter Therapien beigetragen haben.
Neben Müller werden Lora K. Heisler von der University of Aberdeen, Randy J. Seeley von der University of Michigan und Brian Finan von Eli Lilly and Company mit dem Gill Transformative Investigator Award 2026 ausgezeichnet.
Neue Therapieansätze für Adipositas und Diabetes
Müllers Forschung hat wesentlich dazu beigetragen, die biologischen Mechanismen von Adipositas und Diabetes besser zu verstehen. Seine Arbeiten lieferten wichtige Erkenntnisse zur Biologie des GIP-Rezeptors im zentralen Nervensystem und trugen zur Entwicklung einer neuen Generation inkretinbasierter Polyagonisten bei.
Diese Wirkstoffe aktivieren mehrere Rezeptoren gleichzeitig und können dadurch unterschiedliche Stoffwechselprozesse beeinflussen, darunter die Regulation von Blutzucker, Appetit und Körpergewicht. Das Konzept der Polyagonisten wurde ursprünglich von Matthias Tschöp und Richard DiMarchi entwickelt und anschließend unter anderem durch Müller und sein Team bei Helmholtz Munich aus biologischer und mechanistischer Perspektive weiterentwickelt.
Aktuelle Arbeiten von Müller und seinem Team gehen noch einen Schritt weiter: Sie untersuchen, wie inkretinbasierte Moleküle nicht nur mehrere Stoffwechselsignale kombinieren, sondern auch zusätzliche Wirkkomponenten gezielt in bestimmte Zellen transportieren können. Ziel ist es, neue und noch präzisere Ansätze für die Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes zu entwickeln.
Beim Gill Symposium stellt Müller seine Forschung in einem Vortrag mit dem Titel „From Novel Insights into Energy Metabolism Control by GIPR Agonism to New Therapies for Obesity and Diabetes“ vor.
Besondere Verbindung zu München
Mit Müllers Auszeichnung setzt sich zugleich eine besondere Verbindung zwischen der Münchner Stoffwechselforschung und den Gill Awards fort. Nach Matthias Tschöp ist Müller der zweite Wissenschaftler einer deutschen Forschungseinrichtung, der mit einer Gill-Auszeichnung geehrt wird. Tschöp erhielt 2014 den Gill Distinguished Scientist Award und war zu diesem Zeitpunkt an der Technischen Universität München tätig. Später war er Wissenschaftlicher Geschäftsführer von Helmholtz Munich.
Der Gill Transformative Investigator Award würdigt damit Müllers langjährigen Beitrag zu einem Forschungsgebiet, das die Möglichkeiten zur Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes in den vergangenen Jahren grundlegend erweitert hat.