Einblicke in die Forschung und klinische Praxis am HI-MAG
Für den ersten Tag des Journalistenkollegs öffnete deshalb das Helmholtz-Institut für Metabolismus-, Adipositas- und Gefäßforschung (HI-MAG) in Leipzig seine Türen und bot den Teilnehmenden als Auftakt der Veranstaltung mit Expertenvorträgen und Führungen einen direkten Einblick in die aktuelle Adipositasforschung. Diese zeichnet sich am HI-MAG durch die besondere Nähe zwischen Forschung und Behandlung aus. Neben der Grundlagenforschung im klassischen Labor werden in der Studienambulanz zahlreiche klinische Studien durchgeführt, um Stoffwechselerkrankungen besser zu verstehen, neue Konzepte für Behandlungsmethoden zu entwickeln und präventive Maßnahmen zu identifizieren.
Eröffnet wurde das Journalistenkolleg mit einer Begrüßung und Vorstellungsrunde durch Prof. Dr. Antje Körner, Leiterin der Gruppe „Childhood Obesity and Metabolic Research“ am HI-MAG und Professorin für Metabolismusforschung an der Universität Leipzig, und Sonja Kastilan, Leiterin der Abteilung Wissenschaftskommunikation, der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Anschließend informierte Prof. Dr. Antje Körner die interessierten Journalist:innen über die aktuelle Forschung zu Behandlung und Prävention von Adipositas im Kindesalter. Sie stellte unter anderem das Studienprogramm LIFE Child vor, das die gesunde Kindesentwicklung untersucht und Fragen zur Entstehung und zur Prävention von Zivilisationserkrankungen nachgeht. Sie hob hervor, dass Prävention ein wichtiger Bestandteil der Bekämpfung von Adipositas ist und betonte, dass das Zeitfenster für präventive Maßnahmen bereits früh im Kindesalter beginnt. Ergänzt wurde sie von PD Dr. Dr. John Heiker, Gruppenleiter „MORe – Molecular Obesity Research“ am HI-MAG, der Einblicke in die translationale Forschung zum Fettgewebe gewährte.
In einer anschließenden Führung durch die HI-MAG und LIFE Child-Studienambulanzen konnten die Journalist:innen direkte Einblicke in die Studienabläufe gewinnen und im direkten Austausch mehr darüber lernen, wie klinische Fragestellungen am HI-MAG adressiert werden. Neben einem Besuch in den hochmodernen metabolischen Kammern lernten die Journalist:innen verschiedene Messmethoden zur Körperzusammensetzung kennen und erfuhren, wie die Untersuchung von Proband:innen in der Life Child Ambulanz abläuft. Zusätzlich zum Fachpersonal wie Sarah Frenzel, Koordinatorin der HI-MAG Studienambulanz, und Nico Grafe, Leiter der LIFE Child Ambulanz, bekamen die Journalist:innen ebenfalls die Möglichkeit, mit einer Patientin der Adipositas Ambulanz des Uniklinikums Leipzig ins Gespräch zu kommen. Sie berichtete von ihren eigenen Behandlungserfahrungen.
Abgerundet wurde der informative Teil des ersten Tages mit einem moderierten Gespräch zum Thema „Adipositas als chronische, rezidive Krankheit verstehen“, bei dem neben Prof. Dr. Körner, PD Dr. Dr. Heiker und der Patientin aus der Adipositas Ambulanz auch Prof. Dr. Lars Selig, Leiter Ernährungsmedizin/Ernährungsambulanz des Uniklinikums Leipzig, sowie Professor für Medizinpädagogik, SRH University of Applied Sciences Heidelberg/Campus Gera, teilnahm und Fragen zur Behandlung von Patient:innen mit Adipositas am Uniklinikum Leipzig beantwortete. Alle Gesprächspartner waren sich einig, dass es neben der gesellschaftlichen Anerkennung von Adipositas als chronischer Erkrankung für Betroffene besonders wichtig ist, dass neue Behandlungsmöglichkeiten erforscht werden, um den individuellen Krankheitsverläufen gerecht zu werden.
Präventions- und Behandlungsstrategien im Fokus
Der zweite Tag des Journalistenkollegs fand an der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle (Saale) statt. Hier wurde das Thema Prävention mit Vorträgen zu Erfahrungen mit der Zuckersteuer von Prof. Dr. Michael Laxy, Professor für Public Health und Prävention der TUM School of Medicine and Health an der Technischen Universität München (TUM), sowie zu der Frage, wie man Menschen motivieren kann, ihre Lebensweise zu ändern, von Prof. Dr. Iris Pigeot, Direktorin des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS Bremen, vertieft.
In der abschließenden Diskussionsrunde wurde die Komplexität von Adipositas als chronischer Erkrankung weiter beleuchtet mit Expertenmeinungen von Prof. Dr. Andreas Birkenfeld, Ärztlicher Direktor der Klinik für Diabetologie, Endokrinologie und Nephrologie am Universitätsklinikum Tübingen und Direktor des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) Helmholtz Munich, Prof. Dr. Susanna Hofmann, Professorin für Lipidstoffwechsel und metabolische Erkrankungen an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München sowie Head der Independent Research Group „Women and Diabetes“ am Helmholtz Munich, und Prof. Dr. Oliver Mann, Stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Das Journalistenkolleg der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina fand seit 2012 bereits 35-mal statt und befasst sich mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen. Ziel des Kollegs ist es, Medienvertreter und Wissenschaftler zu vernetzen und den Austausch zu aktuellen Forschungsthemen zu ermöglichen.