Die Konferenz brachte vom 30. August bis zum 2. September 2026 insgesamt 1.941 Teilnehmende aus 72 Ländern nach München. Prof. Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie bei Helmholtz Munich und Inhaberin des Lehrstuhls für Epidemiologie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), und Dr. Alexandra Schneider, stellvertretende Direktorin des Instituts für Epidemiologie, leiteten gemeinsam das lokale bzw. das wissenschaftliche Organisationskomitee.
Gesundheitliche Auswirkungen von Hitze, Kälte und Luftverschmutzung
Mehrere Ergebnisse befassten sich mit den gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze und Luftverschmutzung. Auf der Konferenz vorgestellte Forschungsergebnisse schätzten, dass Hitze in den untersuchten Ländern jährlich mit rund 145.000 arbeitsbedingten Verletzungen in Verbindung stand. Bei Kälte waren es rund 82.000. Die Analyse basierte auf Daten bis zum Jahr 2023 und war auch vor dem Hintergrund der Hitzewellen in Europa im Jahr 2026 relevant.
Eine Studie auf Basis von Daten der NAKO Gesundheitsstudie berichtete über eine rund 30 Prozent höhere kardiometabolische Multimorbidität bei Menschen in stark belasteten städtischen Umgebungen im Vergleich zu Personen in Gebieten mit geringer Umweltbelastung. Die Studie der Helmholtz-Munich-Doktorandin Asmaa Alselwi erhielt einen der Konferenzpreise für Studierende und Forschende in frühen Karrierephasen.
Kunststoffe und Herz-Kreislauf-Gesundheit
Kunststoffe bildeten einen weiteren Schwerpunkt der Konferenz. Die Forschenden diskutierten mögliche direkte gesundheitliche Auswirkungen von Mikro- und Nanoplastik sowie indirekte Effekte. Dazu gehört beispielsweise, dass Kunststoffabfälle Brutstätten für krankheitsübertragende Insekten bieten können.
Eine systematische Übersichtsarbeit von Dr. Fiona Niedermayer von Helmholtz Munich identifizierte 31 Studien zu Zusammenhängen zwischen hormonell wirksamen Chemikalien und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In diesen Studien stand insbesondere die Belastung durch Phthalate konsistent mit der Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zusammenhang.
Der ökologische Fußabdruck künstlicher Intelligenz
Die Konferenz befasste sich auch mit dem ökologischen Fußabdruck digitaler Technologien. Prof. Francesca Dominici von der Harvard University stellte Forschung zum möglichen Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Bewertung lokaler Klima- und Gesundheitsrisiken vor.
Ihre Präsentation enthielt zudem Schätzungen zum ökologischen Fußabdruck großer Rechenzentren in den USA. Dazu zählten ein jährlicher Stromverbrauch von 68 bis 99 Terawattstunden, rund 45 Millionen Tonnen Kohlendioxidemissionen sowie ein Wasserverbrauch von etwa 300 Milliarden Litern. Die Ergebnisse warfen Fragen dazu auf, wie sich die Auswirkungen von KI-Infrastrukturen auf Umwelt und Gesundheit bewerten lassen.
Pressekonferenz im Deutschen Museum
Am 3. September diskutierten Forschende ausgewählte Konferenzergebnisse mit Journalistinnen und Journalisten bei einer Pressekonferenz im Deutschen Museum. Sie fand im Zusammenhang mit der dortigen Ausstellung „Planetary Health“ statt. Vertreterinnen und Vertreter von ISEE, Helmholtz Munich, Universitäten und der Weltgesundheitsorganisation sprachen unter anderem über Luftverschmutzung und Atemwegsinfektionen bei Kindern, Pestizide und Parkinson sowie die Rolle wissenschaftlicher Erkenntnisse für die öffentliche Gesundheit.
Eine landesweite Studie mit mehr als einer Million Kindern in Dänemark berichtete beispielsweise über einen Zusammenhang zwischen einer höheren Luftschadstoffbelastung und schweren Atemwegsinfektionen. Dieser Zusammenhang zeigte sich vom Säuglingsalter bis in die Jugend, obwohl die Luftverschmutzung in Dänemark vergleichsweise niedrig ist.
Von der Forschung zur gesundheitspolitischen Orientierung
Der Beitrag der Weltgesundheitsorganisation beschrieb, wie wissenschaftliche Erkenntnisse in Empfehlungen für die öffentliche Gesundheit einfließen. Die WHO-Luftqualitätsleitlinien basieren auf systematischen Auswertungen von rund 500 wissenschaftlichen Publikationen und dienten als Referenz für die Überarbeitung der 2024 verabschiedeten EU-Luftqualitätsrichtlinie.
Die Konferenz und das Pressebriefing gaben einen Überblick über aktuelle Forschung zu Umwelt und Gesundheit sowie über deren Bedeutung für Prävention und evidenzinformierte Politikgestaltung.
Die vollständige Pressekonferenz ansehen
Eine Aufzeichnung der vollständigen Pressekonferenz ist hier verfügbar: ISEE2026 Press Conference - Environmental Epidemiology in a Changing World.