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Könnte die Remission eines Prädiabetes auch vor Krebs schützen?

IDM

Prädiabetes gilt bislang vor allem als Vorstufe des Typ-2-Diabetes. In einem aktuellen Kommentar in Nature Reviews Endocrinology schlagen Prof. Dr. Andreas L. Birkenfeld vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) und dem Universitätsklinikum Tübingen sowie Prof. Dr. Mathias Heikenwälder vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und dem M3 Research Center am Universitätsklinikum Tübingen vor, den Blick zu erweitern: Die Rückkehr zu normalen Blutzuckerwerten könnte möglicherweise auch für die Krebsprävention von Bedeutung sein.

Von Risikofaktoren zu biologischen Mechanismen

Die Krebsprävention konzentriert sich traditionell auf vermeidbare Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum, Bewegungsmangel oder Übergewicht. Birkenfeld und Heikenwälder argumentieren jedoch, dass viele dieser Einflüsse letztlich auf gemeinsame biologische Veränderungen hinauslaufen. Dazu zählen erhöhte Blutzuckerwerte, Insulinresistenz, chronische Entzündungen und veränderte Stoffwechselprozesse – Faktoren, die auch bei der Entstehung und Entwicklung von Tumoren eine Rolle spielen können.

Die Autoren plädieren deshalb für einen Perspektivwechsel: Nicht nur die Vermeidung einzelner Risikofaktoren, sondern die gezielte Verbesserung der Stoffwechselgesundheit insgesamt könnte künftig stärker in den Mittelpunkt präventiver Strategien rücken.

Prädiabetes-Remission als messbares Präventionsziel

Im Zentrum des Beitrags steht das Konzept der Prädiabetes-Remission. Gemeint ist die dauerhafte Rückkehr von erhöhten Blutzuckerwerten in den Normalbereich. Während dieser Zustand bereits mit einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht wird, wurde sein möglicher Nutzen für die Krebsprävention bislang kaum untersucht.

Epidemiologische Hinweise liefern große Bevölkerungsstudien aus Südkorea mit mehreren Millionen Teilnehmenden. In diesen Analysen zeigte sich, dass Personen mit dauerhaft bestehendem Prädiabetes ein erhöhtes Risiko für Bauchspeicheldrüsen- und Gallenblasenkrebs aufwiesen. Bei Menschen, deren Blutzuckerwerte sich wieder normalisierten, war dagegen kein statistisch signifikanter Risikoanstieg nachweisbar.

Neue Impulse für die Präventionsforschung

Die Autoren betonen, dass diese Ergebnisse keinen kausalen Zusammenhang belegen. Sie liefern jedoch eine biologisch plausible Hypothese: Eine langfristige Störung des Glukosestoffwechsels könnte Bedingungen schaffen, die die Krebsentstehung begünstigen, während eine Remission diese Prozesse möglicherweise abschwächt.

Besonders relevant erscheint dabei, dass eine Rückkehr zur Normoglykämie keineswegs selten ist. In den analysierten Kohorten erreichten mehr Menschen eine Remission des Prädiabetes, als dauerhaft im prädiabetischen Stoffwechselzustand zu verbleiben. Nach Ansicht der Autoren macht dies die Prädiabetes-Remission zu einem realistischen und messbaren Ziel für zukünftige Präventionsstrategien.

Originalpublikation: Birkenfeld AL, Heikenwälder M. Cancer Prevention Through Metabolic RemissionNature Reviews Endocrinology (2026). DOI: 10.1038/s41574-026-01268-3.

https://www.nature.com/articles/s41574-026-01268-3