Figuren fügen Puzzleteile in ein Gehirn ein

Wenn Fettverteilung das Gehirn beeinflusst: Neue Einblicke in die Verbindung zwischen Stoffwechsel und Gedächtnis

IDM

Forschende des IDM Tübingen zeigen: Ungünstig verteiltes Körperfett ist mit einer altersabhängigen reduzierten Insulinempfindlichkeit des Hippocampus verbunden– besonders bei Frauen.

 

Unser Stoffwechsel wirkt bis ins Gehirn

Fett ist nicht gleich Fett. Während die Körperfettverteilung in den letzten Jahren immer mehr in den Mittelpunkt der Forschung rückt, blieben geschlechtsspezifische Unterschiede im Zusammenhang mit der Insulinempfindlichkeit im Gehirn bislang weitgehend unerforscht. Insbesondere Unterschiede in der Insulinempfindlichkeit im wichtigen Gedächtnisareal - dem Hippocampus – stehen im Mittelpunkt der aktuellen Studie von Forschenden des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) des Helmholtz München an der Universität Tübingen. Diese zeigt, dass die Verteilung des Körperfetts mit altersabhängigen Veränderungen im Gehirn verbunden sein kann, und dies insbesondere bei Frauen.

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Diabetologia veröffentlicht.

 

Der Hippocampus: Schnittstelle zwischen Gehirn und Stoffwechsel

Der Hippocampus ist vor allem für seine Rolle bei Lernen und Gedächtnis bekannt. Doch diese Hirnregion ist weit mehr als ein „Gedächtnisspeicher“: Sie steht auch in engem Austausch mit Stoffwechselprozessen und reagiert auf das Hormon Insulin.

Wenn Gehirnareale weniger empfindlich auf Insulin reagieren, kann dies die Kommunikation zwischen Stoffwechsel und Gehirn beeinträchtigen. Eine solche gestörte Insulinwirkung im Gehirn wird zunehmend mit metabolischen Erkrankungen und altersbedingten Veränderungen der Gehirnfunktion in Verbindung gebracht.

 

Bauchfett und Leberfett als Warnsignale

Die Forschenden untersuchten 260 Erwachsene ohne Typ-2-Diabetes und kombinierten modernste Bildgebung mit detaillierten Stoffwechselanalysen.

Dabei zeigte sich: Nicht allein die Menge des Körperfetts ist entscheidend. Vor allem bei Frauen waren viszerales Bauchfett und erhöhte Leberfettwerte mit einer geringeren Insulinantwort des Hippocampus verbunden.

Die Ergebnisse machen deutlich: Entscheidend für die Insulinempfindlichkeit des Hippocampus ist die Verteilung des Körperfetts.

 

Frauen besonders betroffen

Besonders spannend: Die Zusammenhänge unterschieden sich zwischen Frauen und Männern.

Bei Frauen mit zunehmendem Alter sowie bei Frauen mit ungünstiger Fettverteilung zeigte sich eine stärkere Abnahme der hippocampalen Insulinsensitivität. Auch Frauen mit erhöhtem metabolischem Risiko zeigten eine verringerte Insulinantwort des Hippocampus. Die Ergebnisse unterschieden sich auch zwischen prä- und postmenopausalen Frauen.

Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede liefern neue Hinweise darauf, warum sich metabolische Risiken und altersbedingte Veränderungen des Gehirns bei Frauen und Männern unterschiedlich entwickeln können.

 

Neue Perspektiven für Prävention und personalisierte Medizin

Die Studie erweitert unser Verständnis davon, wie eng Stoffwechsel und Gehirngesundheit miteinander verbunden sind. Sie zeigt, dass die Körperfettverteilung entscheidend mit der Insulinantwort in Gedächtnisarealen im Gehirn zusammenhängt.

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung personalisierter Präventionsstrategien, die nicht nur Gewicht und Blutzucker berücksichtigen, sondern auch Fettverteilung, Geschlecht und individuelle Risikoprofile einbeziehen.

 

Publikation:
Sandforth L, Veit R, Machann J et al. Unhealthy fat distribution as a sex-specific predictor of declining hippocampus insulin sensitivity. Diabetologia (2026). 

DOI: 10.1007/s00125-026-06787-2