Helmholtz Munich verfolgt ein klares Ziel: Krankheiten sollen erkannt werden, bevor sie überhaupt entstehen. Dafür entschlüsseln Forschende genetische Veranlagungen, analysieren die Einflüsse von Lebensstil und Umwelt und nutzen Künstliche Intelligenz, um Krankheitsverläufe vorherzusagen – für eine gesündere Gesellschaft. Doch wie lässt sich diese Vision in die Praxis umsetzen?
Darüber diskutierten bei der Expert Hour im Bundestag führende Forschende mit politischen Entscheidungsträgern. Nach Grußworten von Stephan Albani, Bundestagsabgeordneter und Schirmherr der Veranstaltung, sowie von Prof. Stephan Herzig, Forschungsdirektor bei Helmholtz Munich, gaben zwei herausragende Wissenschaftlerinnen von Helmholtz Munich Einblicke in ihre aktuelle Forschung zur Präventionsmedizin:
Prof. Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung, machte deutlich, dass trotz großer Forschungsfortschritte ein hoher Bedarf an früher Diagnose und wirksamer Prävention von Typ-1-Diabetes bleibt. Am Beispiel des Gesundheitsscreenings Fr1da zeigte Ziegler, wie Früherkennung gelingt: Kinder werden seit 10 Jahren bereits im frühen, symptomlosen Stadium der Erkrankung erkannt und engmaschig betreut. Ziel sei es, die Versorgung und Prognose entscheidend zu verbessern. Außerdem ermöglicht die Früherkennung Zugang zu Therapien, die den Krankheitsverlauf verzögern können. Die von Ziegler geleitete internationale Plattform GPPAD setzt noch einen Schritt früher an: Im Rahmen des Neugeborenen-Screenings identifizieren Forschende Kinder mit genetischem Risiko für Typ-1-Diabetes. Dies ermöglicht die Entwicklung innovativer Präventionsstrategien.
Prof. Julia Schnabel, Direktorin des Instituts für Maschinelles Lernen in der biomedizinischen Bildgebung, stellte die Potenziale von Künstlicher Intelligenz für eine individualisierte Prävention vor. Durch den Einsatz spezialisierter Algorithmen können charakteristische Merkmale gesunder Gewebe automatisiert erkannt werden, wodurch eine schnellere und genauere Analyse ermöglicht wird. Dies führt beispielsweise zu einer verkürzten Dauer und gleichzeitig verbesserten Qualität bei der Erstellung von MRT-Bildern. Diese Präzisionsradiologie eröffnet neue Möglichkeiten für eine frühzeitige Diagnose, noch bevor klinische Symptome auftreten und deutlich effizientere Nutzung medizinischer Ressourcen.
Im Fokus der gemeinsamen Diskussion zwischen Forschenden und Mitgliedern des Deutschen Bundestages stand die Frage, wie moderne Präventionsmedizin das Gesundheitssystem entlasten und den Innovationsstandort Deutschland stärken kann.