Typ-1-Diabetes (T1D) ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die insulinproduzierenden Beta-Zellen angreift und zerstört. Welche Faktoren diesen Prozess auslösen, ist jedoch noch nicht vollständig geklärt. Genau hier setzen die beiden neu geförderten Projekte an: Mithilfe moderner Multi-Omics-Analysen will das Team um Teresa Rodriguez-Calvo krankheitsspezifische Muster in der Bauchspeicheldrüse und dem Darm identifizieren. So möchten die Forschenden neue Ansatzpunkte für Prävention, Diagnostik und Therapie erschließen. Die Förderung durch Breakthrough T1D unterstreicht die internationale Relevanz dieser Forschung, die in enger Zusammenarbeit mit dem Network for Pancreatic Organ Donors with Diabetes (nPOD) umgesetzt wird.
Neue Erkenntnisse durch Multi-Organ und Multi-Omics Analysen
Weltweit nimmt die Zahl der T1D-Erkrankungen zu, mehr als die Hälfte der Neuerkrankungen betrifft inzwischen Erwachsene. Dennoch konzentriert sich ein Großteil der Forschung weiterhin auf Kinder, weshalb der Krankheitsverlauf bei Erwachsenen weniger gut verstanden ist. Zudem könnten neben der Bauchspeicheldrüse auch andere Organe eine wichtige Rolle spielen. Insbesondere der Darm, der funktionell eng mit der Bauchspeicheldrüse verbunden ist.
Das Team um Teresa Rodriguez-Calvo untersucht, welche Immunzellen, Entzündungsprozesse und molekularen Signalwege bei T1D aktiv sind. Im Fokus steht eine gemeinsame Betrachtung von Bauchspeicheldrüse und Zwölffingerdarm. Die Forschenden möchten charakteristische Krankheitsprofile identifizieren, die zwischen frühem und spätem Krankheitsbeginn unterscheiden. Daraus könnten sich neue Ansatzpunkte für personalisierte immunmodulatorische Therapien ergeben. Ergänzend zeigen räumlich aufgelöste Analysen, wie relevante Zelltypen entlang der Darm-Pankreas-Achse verteilt sind und miteinander interagieren.
Granine – Schlüsselproteine für Früherkennung und Krankheitsmonitoring
Das zweite Projekt richtet den Fokus direkt auf die Beta-Zellen, die für die Insulinproduktion entscheidend sind. Eine zentrale Rolle spielen dabei sogenannte Granine - Proteine die die Bildung, Reifung und Freisetzung von Insulin unterstützen.
Die Forschenden untersuchen, wie sich diese Proteine in Gewebe von Menschen ohne T1D, Menschen mit Inselautoantikörpern und Menschen mit T1D unterscheiden. Sie analysieren zudem, wie die Beta- und Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse auf zellulären Stress reagieren, und prüfen, ob sich entsprechende Veränderungen frühzeitig im Blut nachweisen lassen. Solche Signale könnten künftig als Biomarker dienen und eine frühere Diagnose ermöglichen.
„Die beiden Projekte ermöglichen es uns, den Typ-1-Diabetes aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten - von der Insulinproduktion in der Beta-Zelle bis hin zur Kommunikation zwischen Organen. So wollen wir Muster erkennen, die künftig präzisere Diagnosen und individuell zugeschnittenen Therapien ermöglichen,“ sagt Teresa Rodriguez-Calvo.