Forschung trifft Klinik
Translation: Wo medizinische Forschung den Menschen erreicht
Wie können wir schneller von neuen Erkenntnissen aus der Wissenschaft profitieren? Helmholtz Munich arbeitet eng mit führenden Kliniken in ganz Deutschland zusammen, um Forschungsergebnisse unmittelbar und gezielt in neue Therapieansätze zu überführen – sowie umgekehrt: Beobachtungen aus dem Klinikalltag zurück im Labor zu untersuchen. Eine Zusammenarbeit, die neue Wege in der Medizin eröffnet und den Patient:innen zugutekommt.
Wie können wir schneller von neuen Erkenntnissen aus der Wissenschaft profitieren? Helmholtz Munich arbeitet eng mit führenden Kliniken in ganz Deutschland zusammen, um Forschungsergebnisse unmittelbar und gezielt in neue Therapieansätze zu überführen – sowie umgekehrt: Beobachtungen aus dem Klinikalltag zurück im Labor zu untersuchen. Eine Zusammenarbeit, die neue Wege in der Medizin eröffnet und den Patient:innen zugutekommt.
"Translation ist ein zentraler Auftrag: Forschung und Klinik so eng zu vernetzen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse schnell und gezielt bei den Patient:innen ankommen."
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Martin Hrabě de Angelis, wissenschaftlicher Geschäftsführer und Sprecher der Geschäftsführung (kommissarisch) bei Helmholtz Munich
Was bedeutet Translation?
Unter „Translation“ versteht man den Transfer von Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung in die medizinische Anwendung und umgekehrt. Dieser Prozess umfasst viele Schritte und folgt strengen wissenschaftlichen und regulatorischen Regeln. Durch enge Partnerschaften zwischen Forschung und Klinik lässt sich Translation beschleunigen, sodass neue Erkenntnisse schneller bei den Patient:innen ankommen.
Translation ist kein abstrakter Prozess
Prof. Matthias Blüher pendelt zwischen zwei Welten: dem Labor am Helmholtz-Institut für Metabolismus-, Adipositas- und Gefäßforschung (HI-MAG) von Helmholtz Munich und der Adipositas-Ambulanz des Leipziger Universitätsklinikum – nur wenige Fußschritte voneinander entfernt, aber auf wissenschaftlicher Ebene eng verbunden. Der Humanmediziner und Professor für Klinische Adipositasforschung sieht jeden Donnerstag Patient:innen in seiner Sprechstunde, zusätzlich führt er verschiedene klinische Studien an Patient:innen tagtäglich durch. Für ihn ist klar: Translation ist kein abstrakter Prozess, sondern Alltag.
Was Blüher in der Klinik beobachtet, fließt direkt in seine Forschung ein. Gleichzeitig gelangen neue Erkenntnisse aus seinem Labor auf direktem Weg in die medizinische Anwendung. Diese enge Verzahnung ist kein Zufall: Als Forschungszentrum kann Helmholtz Munich selbst keine klinischen Studien durchführen und ist deshalb auf starke Partnerschaften mit Universitätskliniken angewiesen.
"Ich sehe, wie stark Adipositas die Lebensqualität meiner Patient:innen einschränkt. Bessere Therapiemöglichkeiten bekommen wir nur, wenn wir die molekularen Grundlagen dieser Erkrankung weiter erforschen und verstehen".
Prof. Dr. med. Matthias Blüher, Direktor des Helmholtz-Institut für Metabolismus-, Adipositas- und Gefäßforschung (HI-MAG)
Die Verbindung von Forschung und medizinischer Praxis in Leipzig zeigt auch: Adipositas ist nicht gleich Adipositas. Es gibt metabolisch gesunde Menschen mit starkem Übergewicht und solche mit Normalgewicht, bei denen das Risiko für Diabetes und andere Folgeerkrankungen deutlich erhöht ist. Ziel der translationalen Forschung ist es deshalb, diese Unterschiede besser zu verstehen und Behandlungen individueller zu gestalten.
Vom Einzelfall zur wissenschaftlichen Entdeckung
Prof. Antje Körner, ebenfalls am HI-MAG, bewegt sich kontinuierlich zwischen Labor und Klinik. Der Kinderärztin, die sich als Pediatrician Scientist versteht, liegt es besonders am Herzen, die Ursachen von Adipositas im Kindesalter zu erforschen. Sie möchte neue Erkenntnisse und Therapiemöglichkeiten gezielt für Kinder und Jugendliche zugänglich machen und so eine bestehende Behandlungslücke schließen.
Das Wechselspiel, von Forschung und Klinik führt dabei oft zu Erkenntnissen, die allein im Labor oder allein in der Klinik nicht möglich wären. In einem besonderen Fall stellte ein junges Mädchen mit starkem Übergewicht, roten Haaren und auffälligem Wachstumsmuster die Medizinerin vor viele Fragen. Was zunächst wie ein medizinischer Einzelfall wirkte, entwickelte sich dank genauer Beobachtung und intensiver Forschung im Labor zu einer bedeutenden Entdeckung: einer seltenen Mutation im ASIP-Gen.
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Zunächst wurde der Zusammenhang in laborexperimentellen Studien nachgewiesen. Doch der entscheidende Schritt war, das Wissen zurück in die Klinik zu tragen und gezielt nach weiteren betroffenen Kindern zu suchen. Heute untersucht Körner deutschlandweit betroffene Kinder und Erwachsene mit ähnlichen Symptomen für klinische Studien, um die zugrundeliegenden Mechanismen noch besser zu verstehen und langfristig gezieltere Behandlungen für diese Patient:innen zu entwickeln. Erste Ansätze hierfür werden bereits getestet.
"Solche Entdeckungen verdanken wir dem engen Kontakt zur Klinik. Ohne das Zusammendenken dieser Welten und dem Ansatz neue, auch mal unkonventionelle Wege in der Forschung zu gehen, hätten wir die Genmutation vermutlich nie gefunden."
Prof. Dr. med. Antje Körner, Leiterin des Bereichs für Metabolismus am HI-MAG
Schneller von der Idee zur Therapie
Translation bedeutet auch, dass neue Therapien schneller bei den Patient:innen ankommen. Eine zentrale Rolle spielt dabei Leipzig: Am HI-MAG werden derzeit sogenannte Dual-Agonisten, darunter auch der Wirkstoff Tirzepatid, als neue Wirkstoffe zur Behandlung von Adipositas getestet. Die Grundlagen für dieses Wirkprinzip, das auf Darmhormonen basiert, wurden unter anderem von Wissenschaftler:innen bei Helmholtz Munich entdeckt. Dort wird die Forschung an Multi-Rezeptor-Wirkstoffen konsequent weiterentwickelt, um die Therapieoptionen zu erweitern. Ein besonderer Fokus in Leipzig liegt auf Kindern und Jugendlichen. Für viele von ihnen könnte der Wirkstoff Tirzepatid eine echte Alternative zu bisherigen Therapien sein – und eine Chance auf ein gesünderes Leben.
Klinische Studien sind der Prüfstein jeder neuen Therapie. Sie zeigen, ob eine wissenschaftliche Idee dem Alltag standhält und wirklich hilft. Nur wenn neue Behandlungen in klinischen Studien wirksam und sicher sind, finden sie den Weg in die Versorgung – zu den Patient:innen. Studien leisten aber noch mehr: Sie helfen, genau die Patient:innen zu identifizieren, die besonders von einer Behandlung profitieren. Translation ist damit ein zentraler Baustein auf dem Weg zu einer personalisierten Medizin
Translation bei Helmholtz Munich in Zahlen
Zwischen 2021 und 2025 war Helmholtz Munich an mehr als 200 Studien beteiligt – davon rund zwei Drittel Beobachtungsstudien und ein Drittel Interventionsstudien einschließlich Arzneimittelprüfungen.
Zwischen Labor, Klinik und Datenzentren
Neben Labor und Klinik spielt heute auch Computational Health eine wichtige Rolle für Translation. Künstliche Intelligenz (KI) und Datenanalyse werden bereits genutzt, um große Mengen an Labor- und Klinikdaten auszuwerten, Krankheitsmechanismen zu verstehen, Risikoprofile zu erstellen und klinische Studien gezielter zu planen. Langfristig arbeiten Forschende an Konzepten wie dem „digitalen Zwilling“: Ein virtuelles Abbild eines Menschen, das klinische Daten, Laborbefunde und Verlaufsmuster kombiniert, könnte es künftig ermöglichen, Therapien vorab zu simulieren.
"KI hilft uns heute schon, Daten aus Labor und Klinik intelligent zu nutzen. Virtuelle Patienten- oder Organmodelle, die durch KI trainierte Basismodelle ungleich mehr Power als klassische Ansätze aufweisen können, werden vorhersagen, welche Therapien für welche Patient:innen am besten wirken, und so Translation und personalisierte Medizin beschleunigen."
Prof. Fabian Theis, Direktor des Computational Health Centers bei Helmholtz Munich
Von Augsburg bis Tübingen – starke Netzwerke für eine bessere Gesundheit
Um wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die medizinische Praxis zu überführen, setzt Helmholtz Munich auf enge Partnerschaften mit führenden Universitätskliniken in ganz Deutschland – neben Leipzig auch in Tübingen, Ulm, Augsburg, Heidelberg, sowie mit den beiden Münchner Universitätsklinika LMU Klinikum und TUM Klinikum.
Ein Leuchtturm dieser regionalen Zusammenarbeit ist die M1 Munich Medicine Alliance. Sie bündelt die Expertise von Helmholtz Munich mit den medizinischen Fakultäten und Universitätsklinika der Ludwig-Maximilians-Universität und der Technischen Universität München, um München als international sichtbares Zentrum für medizinische Spitzenforschung und Versorgung zu etablieren und die Entwicklung personalisierter Medizin zu beschleunigen.
Ergänzt wird dieses Netzwerk durch die enge Zusammenarbeit mit den Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung (DZG), die Forschung, Klinik und öffentliche Gesundheit bundesweit vernetzen. Als Gründungsmitglied des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) und aktiver Partner weiterer DZG – etwa für Lungenforschung (DZL), Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ) sowie psychische Gesundheit – engagiert sich Helmholtz Munich in langfristigen, strukturierten Programmen.
Fazit: Translation braucht Nähe – zu Kliniken und Menschen
Translation gelingt dann, wenn Wissenschaftler:innen und Ärzt:innen zusammenarbeiten – mit gemeinsamen Zielen, kurzen Wegen und dem Menschen im Fokus. Die enge Verbindung zwischen Grundlagenforschung und Klinik bringt neue Therapien schneller in die Anwendung und gibt Patient:innen früh Zugang zu innovativen Behandlungen. Denn medizinischer Fortschritt entfaltet seine Wirkung erst, wenn er bei den Menschen ankommt.
"Unsere Aufgabe ist es, die Brücke zwischen Labor und Klinik noch stärker auszubauen. Nur so können wir personalisierte Medizin Wirklichkeit werden lassen – und echte Verbesserungen für die Patient:innen erzielen.“"
Prof. Martin Hrabě de Angelis, wissenschaftlicher Geschäftsführer und Sprecher der Geschäftsführung (kommissarisch) bei Helmholtz Munich
Letztes Update: Februar 2026.